Die Schweiz gewinnt Zeit bei der Umsetzung von AIFMD

Nachdem Liechtenstein mit der Umsetzung EU-relevanter regulatorischer Vorgaben für die Fondsindustrie im Eiltempo den Eidgenössischen Nachbarn abhängte, war die Schweiz gefordert, ihren Standort für Produkte zu sichern, deren Verwaltung und Vertrieb von Firmen erbracht werden, die ab Mitte 2013 von den EU-Regelungen über alternative Investments erfasst sind. Für eine nationale Umsetzung des komplexen Regelwerkes der AIFMD erschien die Frist zu knapp, weshalb man sich nun auf eine Kooperation der Aufsichtsbehörden im Form eines „Memorandum of Understanding“ einigte. Hierzu die Medienmitteilungen von esma und Finma:

„ESMA und FINMA vereinbaren Zusammenarbeit bei der grenzüberschreitenden Aufsicht von alternativen Investmentfonds“

Medienmitteilung (Quelle: http://www.finma.ch/d/aktuell/Seiten/mm-mou-esma-finma-20121203.aspx)

Die Europäische Wertpapieraufsichtsbehörde (ESMA) hat die Kooperationsvereinbarungen zwischen der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht FINMA und den Wertpapieraufsichtsbehörden der EU bezüglich der Aufsicht über alternative Investmentfonds (einschliesslich Hedge-, Private-Equity- und Immobilienfonds) genehmigt. Die ESMA handelte die Vereinbarungen mit der FINMA im Namen aller 27 zuständigen nationalen Wertpapieraufsichtsbehörden aus.

Die Kooperationsvereinbarungen umfassen den Austausch von Informationen, grenzüberschreitende Vor-Ort-Kontrollen und die gegenseitige Unterstützung bei der Durchsetzung der jeweiligen aufsichtsrechtlichen Vorschriften. Die Zusammenarbeit erstreckt sich auf Schweizer Verwalter von alternativen Investmentfonds (AIFMs), die alternative Investmentfonds (AIFs) in der EU verwalten und vertreiben, und EU AIFMs, die AIFs in der Schweiz verwalten oder vertreiben. Sie erstreckt sich zudem auf die grenzüberschreitende Aufsicht bei Verwahrstellen und der Delegation von AIFMs. Die Vereinbarung wird in Form eines Memorandum of Understanding (MoU) zwischen den EU-Wertpapieraufsichtsbehörden und der FINMA geschlossen.

Steven Maijoor, der Vorsitzende der ESMA, erklärte:

„Die Vereinbarung zwischen den Aufsichtsbehörden der EU und der Schweiz soll die Zusammenarbeit bei der Aufsicht über den grenzüberschreitenden Vertrieb alternativer Fonds erleichtern und ist ein wichtiger Schritt zur Stärkung des Anlegerschutzes und für eine global konsistente Aufsicht.

Für die ESMA signalisiert diese Vereinbarung die Bereitschaft von Drittländern zur Zusammenarbeit, um den Bestimmungender AIFM-Richtlinie nachzukommen. Nun gilt es, mit weiteren Nicht-EU-Behörden die Arbeiten fortzusetzen, um unser Ziel zu erreichen, bis im Juli 2013 sämtliche MoUs fertigzustellen.“

Professorin Anne Héritier Lachat, Verwaltungsratspräsidentin der FINMA, kommentierte:

„Die Vereinbarung zwischen der FINMA und den EU-Aufsichtsbehörden wird die grenzüberschreitende Aufsicht des Fondsgeschäfts weiter verbessern und letztlich den Schutz der Anleger bei grenzüberschreitenden Aktivitäten von alternativen Fonds stärken. Sie kommt zudem rechtzeitig mit der Umsetzung der AIFM-Richtlinie in den EU-Mitgliedsstaaten im Juli 2013. Mit ihr werden die Rahmenbedingungen für eine Zusammenarbeit zwischen den Aufsichtsbehörden geschaffen, die gemäss der AIFM-Richtlinie für die Verwaltung, den Vertrieb und die Delegation der Verwaltung von alternativen Fonds in der EU notwendig sind.“

Die wesentlichen Elemente der Kooperationsvereinbarung zwischen der EU und der Schweiz sind:

Die Aufsichtsbehörden der EU und der Schweiz werden Fondsmanager beaufsichtigen können, die grenzüberschreitend in der EU und in der Schweiz tätig sind.

Die Zusammenarbeit beinhaltet unter anderem den Austausch von Informationen, grenzüberschreitende Vor-Ort-Kontrollen und die Unterstützung bei der Durchsetzung der jeweils geltenden Gesetze (d. h. der Richtlinie über die Verwalter alternativer Investmentfonds [AIFM-Richtlinie] und des Bundesgesetzes vom 23. Juni 2006 über die kollektiven Kapitalanlagen).

Die EU-Aufsichtsbehörden können von der FINMA erhaltene relevante Informationen an andere EU-Behörden, die ESMA und den Europäischen Ausschuss für Systemrisiken (ESRB) weitergeben, sofern die Vertraulichkeit angemessen gewährleistet ist.

Der Abschluss von Kooperationsvereinbarungen zwischen den Behörden von Ländern innerhalb und ausserhalb der EU ist gemäss der AIFM-Richtlinie eine Voraussetzung für Fondsverwaltern aus Drittstaaten zur Zulassung auf die EU Märkte oder für ein Management des Fonds im Rahmen einer Delegation von Funktionen durch EU-Verwaltern.

Die Kooperationsvereinbarungen zwischen der EU und der Schweiz sind auf den 21. Juli 2013 anwendbar und ermöglichen die grenzüberschreitende Verwaltung und den Vertrieb von alternativen Investmentfonds an professionelle Anleger.

Der Inhalt des Memorandums of Understanding folgt den IOSCO Principles on Cross-Border Supervisory Co-operation (2010) und ergänzt die Bedingungen des IOSCO Multilateral MoU Concerning Consultation and Co-operation and the Exchange of Information (2002).

Die ESMA führt derzeit Gespräche mit weiteren Nicht-EU-Behörden, die IOSCO-Mitglieder sind. Ziel ist, noch vor Juli 2013 weitere Kooperationsvereinbarungen mit den zuständigen Aufsichtsbehörden abzuschliessen. Gemäss den Bestimmungen der AIFM-Richtlinie ist die Fondsindustrie aus Nicht-EU-Ländern, deren Wertpapieraufsichtsbehörden bis Juli 2013 keine solchen Kooperationsvereinbarungen geschlossen haben, nicht berechtigt, AIFs innerhalb der EU anzubieten oder zu verwalten.

Das MoU mit der FINMA entspricht den Bestimmungen der Durchführungsverordnung der AIFM-Richtlinie, die die Europäische Kommission in Kürze verabschieden dürfte. Es greift dem Recht des Europäischen Parlaments und des Rates nicht vor, Einspruch gegen diese Verordnung einzulegen. Sollte die Durchführungsverordnung geändert werden, würde die ESMA dieses und andere MoU diesbezüglich prüfen.

Kontakt

Tobias Lux, Mediensprecher FINMA, Tel. +41 (31)327 91 71, tobias.lux@finma.ch

Reemt Seibel, Communications Officer, ESMA, Tel. +33 (0)1 58 36 42 72, reemt.seibel@esma.europa.eu

PRESS RELEASE (Quelle: http://www.esma.europa.eu/system/files/press_release_esma_finma.pdf)

EU and Swiss regulators to co-operate on cross-border supervision of alternative investment funds

The European Securities and Markets Authority (ESMA) has approved the co-operation arrangements between the Swiss Financial Market Supervisory Authority FINMA and the EU securities regulators for the supervision of alternative investment funds, including hedge funds, private equity and real estate funds. ESMA has negotiated the agreement with FINMA on behalf of all 27 EU national competent authorities for securities markets regulation.

The co-operation arrangements include the exchange of information, cross-border on-site visits and mutual assistance in the enforcement of the respective supervisory laws. This co-operation will apply to Swiss alternative investment fund managers (AIFMs) that manage or market alternative investment funds (AIFs) in the EU and to EU AIFMs that manage or market AIFs in Switzerland. The agreement also covers co-operation in the cross-border supervision of depositaries and AIFMs’ delegates. The agreement will take the form of a Memorandum of Understanding (MoU) between the EU securities supervisors and FINMA.

Steven Maijoor, ESMA Chair, said:

“The agreement by EU and Swiss supervisors to facilitate co-operation on the supervision of cross-border alternative funds is an important step in increasing investor protection and the global consistency of supervision.

“ESMA sees this agreement as a signal of third countries’ willingness to cooperate to meet AIFMD’s requirements, however further work needs to be done with non-EU authorities to achieve our goal of completing all MoUs by the July 2013 deadline.”

Date: 3 December 2012

ESMA/2012/798

Professor Anne Héritier Lachat, FINMA Chair:

“The agreement between FINMA and EU supervisors will further improve cross-border supervision of the funds business and ultimately reinforce investor protection in cross-border operations of alternative funds. Moreover, the agreement is timely with respect to the transposition of the AIFMD in EU Member States in July 2013. It will establish a framework for cooperation between supervisory authorities required under the AIFMD to manage, market and delegate the management of EU alternative funds.”

The key elements of the EU-Swiss cooperation agreement are:

 EU and Swiss supervisors will be able to supervise fund managers that operate on a cross-border basis in the EU and Switzerland;

 The co-operation between the authorities includes the exchange of information, cross-border on-site visits and assistance in the enforcement of the respective laws (i.e. the Alternative Investment Fund Managers Directive (AIFMD) and the Swiss Federal Act on Collective Investment Schemes of 23 June 2006);

 EU authorities will be able to share relevant information received from FINMA with other EU authorities, ESMA and the European Systemic Risk Board, provided appropriate safeguards apply;

 The existence of co-operation arrangements between the EU and non-EU authorities is a precondition of the AIFMD for allowing managers from third countries to access EU markets or perform fund management by delegation from EU managers; and

 The EU-Swiss co-operation arrangements are applicable from 21 July 2013 and enable cross-border management and marketing to professional investors of alternative investment funds.

The content of the Memorandum of Understanding follows the IOSCO Principles on Cross-Border Supervisory Co-operation of 2010, and complements the terms and conditions of the IOSCO Multilateral MoU Concerning Consultation and Co-operation and the Exchange of Information of 2002.

ESMA is currently in contact with other non-EU authorities that are members of IOSCO, and is continuing to negotiate co-operation arrangements with the relevant authorities with a view to having these in place before July 2013. According to the AIFMD, the fund industry from a non-

EU country whose securities regulator does not have such co-operation arrangements in place by July 2013 will not be permitted to offer or manage AIFs in the EU.

The MoU with FINMA is consistent with the Regulation implementing the AIFMD that the European Commission is expected to adopt shortly, and does not pre-empt the EU Parliament and Council’s right to object to the Regulation. If the implementing Regulation was to be amended, ESMA would review this and any other MoU accordingly.

Further information:

Reemt Seibel, Communications Officer, ESMA, Tel: +33 (0)1 58 36 4272, Mob: +33 6 42 48 55 29; Email: reemt.seibel@esma.europa.eu

Tobias Lux, Spokesperson FINMA, Tel: +41 (31)327 91 71, Email: tobias.lux@finma.ch