Answer for Objektgesellschaften – was genau ist mit ‚Durchschaupflicht‘ gemeint? wie soll das in der Praxis aussehen?

Die Pflicht des sogenannten „Look Through“ bedeutet, dass Kontrollen über das eigentliche Investment hinaus auf die Aktivitäten der Gesellschaft, in die investiert wurde, auszudehnen sind.
In der Praxis schafft diese Generalisierung und Ausweitung des Kontrollumfanges durch das Verwahrstellenrundschreiben an vielen Stellen Verwirrung. Zum einen, weil sowohl Kontroll- als auch Verwahrpflichten in diesem Kontext angesprochen werden, zum anderen, weil der Begriff „Objektgesellschaft“ gesellschaftsrechtlich nicht eindeutig definiert ist. In der KAGB-Kommentierung des §288 Nr. 7. wird auf die Rolle des AIF in Gesellschaften abgestellt, an denen der Fonds eine Beteiligung hält. Demnach kann keine Durchschaupflicht bestehen, solange der AIF im Wesentlichen als Gesellschafter Vermögensrechte innehat, nicht aber als Geschäftsführer mit Verwaltungsrechten operativ tätig wird. Zu ähnlicher Argumentation ist in der AIFMD Durchführungsverordnung (Level II) zu lesen, dass die Verwahrpflichten (also insbesondere die Prüfung des Eigentumsübergangs) für Assets gelten, in die der AIF oder die von ihm direkt oder indirekt kontrollierte Finanz- oder Rechtsstruktur investiert (Art 89 Abs 3) bzw. für die vom AIFM für Zwecke der Anlage geschaffenen Finanz- oder Rechtsstrúkturen (Art 90 Abs. 5).
Demnach sind also alle Investments des Fonds dahingehend zu analysieren, inwieweit die ihm eingeräumten Rechte eine wesentliche Einflussnahme auf das operative Geschäft der Zielunternehmen ermöglichen, und damit die Kontrollen der Verwahrstelle auf deren Geschäfte auszuweiten wären. Unter diesen Voraussetzungen sind dann z.B. bei Immobilien-Beteiligungsgesellschaften die zustimmungspflichtigen Geschäfte (Verfügungen), die Bewertung und der Eigentumsübertrag zu prüfen.
Bei Private Equity Beteiligungsgesellschaften sind die Verwaltungsrechte für einen Investor i.d.R. so begrenzt, dass nicht von einer operativen Tätigkeit in den Zielunternehmen ausgegangen werden kann. Je nach Ausgestaltung der Beteiligung ist diese als geschlossener Fondsanteil zu qualifizieren, was eine Durchschaumöglichkeit für die Verwahrstelle, oder andere Dritte, nicht vorsieht. Aber auch bei direkten Beteiligungen steht für jeden Investor das Ziel im Vordergrund, mit dem Gesamtportfolio der Zielunternehmen, in die die Beteiligungsgesellschaft investiert, eine Zielrendite bzw. Ziel-Multiples zu erreichen. Die Beteiligungsgesellschaft stellt entsprechend der Vereinbarungen im Gesellschaftsvertrag dazu Informationen zur Verfügung. Ob eines der Zielunternehmen (z.B. Textilfabrikant) juristisch das Eigentumsrecht an einem neuen Verwaltungsgebäude in Vietnam erworben hat, kann und muss nicht von der Verwahrstelle kontrolliert werden – nicht zuletzt weil der AIFM selbst hier keine Einflussmöglichkeit hat, um entgegen Anlegerinteressen zu handeln.